AK- Neue Medien

Radfahrverein Concordia-

vor 100 Jahren gegründet.

 

Begeben wir uns zurück zur Jahrhundertwende. Dem Fortschritt aufgeschlossener Ingenrieder erstanden sich für damals 120 Goldmark die ersten Fahrräder. Die ersten Nachfolger des Hochrades, genannt Velocipeds, waren noch ohne Freilauf und natürlich Vollgummi bereift. In einem Artikel der Schongauer Nachrichten vom Jahre 1965 wird berichtet, dass sechs Ingenrieder mit ihren Gefährten im Jahr 1900 zu den Passionsspielen nach Oberammergau fuhren. Ein besonders Mutiger sauste die Echelsbacher Steige ohne Freilauf mit ausgestreckten Beinen in halsbrecherischem Tempo hinunter und kam heil an. Wen wundert es da, dass der Radfahrergruß aus einem kurzen „ All Heil“ obligatorisch war.

Gerade ein Jahr nach der ersten Tour de France gründeten begeisterte Radsportler im Dorf den Radfahrerverein Concordia. Die Satzung der Vereinsgründung (pdf-format) ist noch im Original erhalten und wie folgt zu sehen.

 

Remigius Erhard führte als erster Vorstand den Verein, bei dem sogar einheitliche Sportkleidung vorgeschrieben war. Diese bestand aus grauen Jacken und Kniehosen, hellgrauen Wollstrümpfen, Segeltuchhalbschuhen und dunkelblauen Schirmmützen.

 

Dem Kauf einer Standarte 1908 folgte die Fahnenweihe am 31.Mai. Der Radclub Bernbeuren stand Pate. Zu den Feierlichkeiten wurde ein Preiskorsofahren, ein Festzug und ein Radlerball ausgerichtet.

 

 
 
 

Standartenbeschreibung: Eine Seite ist mit einem geflügelten Rad sowie dem Radfahrergruß 

„ All Heil“ bestickt. Die andere Seite trägt das bayerische Rautenwappen mit einem Kreuz und die Jahreszahlen 1904 und 1908. Die Spitze ziert ein Speichenrad mit daraufsitzendem Adler. Fahnenbänder erinnern an besondere Festlichkeiten, unter anderem an die Fahnenweihe des Concordia Marktoberdorf am 17./18. Mai 1924, denen die Ingenrieder Pate standen.

 
von links: Fahnenjunker Josef Haberstock, Fahnenbegleiter Xaver Zwick und Franz Eurisch.Ehrenjungfrauen: Maria Riedle, Balbina Eurisch, Kreszenzia Holzmann
 

Nach dem ersten Weltkrieg traten auch Damen dem Verein bei. An vielen gemeinsamen Sonntagsausflügen fuhr der Fahnenjunker mit der Standarte vorneweg und die übrigen Teilnehmer laut Vorschrift in Zweierreihen dahinter.

Für das leibliche Wohl führte ein Mitglied stets das Radlerhorn mit. Dieses 3 Liter fassende Horn konnte an verschiedenen  " Tankstellen" mit einem Gemisch von Bier und Limonade befüllt werden und erfrischte reihum.

 

 
v. links: Rennleiter, Magnus Zwick, Eduard Meichelböck, Michael Mayrendraß, Xaver Erhard, Andreas Zwick, Ludwig Rößle(Sieger), Lorenz Fischer, Matthäus Rieger, Josef Scholz, Meinrad Rößle, Georg Geisenberger, Hermann Echtler, Karl Dolch. Vor der Eingangstüre Hans Rieger
 

Das " Radler" war erfunden und ist heute noch beliebter Durststiller.

Im Verlauf der Vereinsgeschichte beteiligten sich die Mitglieder erfolgreich an Korsofahrten, Radrennen und Dekorationswettbewerben und gewannen zahlreiche Pokale und Krüge.

Im Jahr 1934 fand in Ingenried ein Radrennen statt.

Weitere Vortände:

Nach dem ersten Weltkrieg Karl Dolch,

1928 Ludwig Rößle

Im dritten Reich wurden die Radfahrverbände aufgelöst und in den Bund Deutscher Radfahrer eingegliedert. Der NSKK (Nationalsozialistischer-Kraftfahrer-Korps) löste durch die zunehmende Motorisierung den Radfahrverein ab.

Übrig geblieben ist die alte Standarte die an eine weniger hektische Zeit erinnert. Und noch etwas: Viele Freizeit- und Hobbyradfahrer die trotz aller modernen Fortbewegungsmittel auf ihr mehr oder weniger mit Technik ausgestattetes Rad niemals verzichten möchten.

(Quelle: Zeitungsbericht Schongauer Nachrichten 1965)

Text: Rita Fischer

 

 
Original- Zeitungsbericht der Schongauer Nachrichten